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WM-Medaillen, Weltcupsiege und was sonst noch geschah

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Mit sechs WM-Medaillen, vier Weltcupsiegen und weiteren Top-Leistungen sind unsere Athletinnen und Athleten von den Sommer-Grossanlässen zurückgekehrt. Warum das historisch ist und wir vor Stolz platzen könnten, lest ihr in diesem Bericht.
  • Gruppenbild WM Team
  • Luis ist Weltcupsieger
  • Mona und Hannah sind Weltcupsiegerinnen

Aufmerksame Leserinnen und Leser dieser Website wissen schon, dass hier im Sommer meist ein emotionaler Bericht von Kanu-Grossanlässen publiziert wird. Das ist auch in diesem Jahr nicht anders. Was unsere Athletinnen und Athleten in den letzten zwei Wochen geleistet haben, lässt sich nur schwer in passende Worte fassen. Versuchen tu' ich es aber trotzdem. 

Alles begann Ende Juni mit der Abreise der grossen Schweizer Delegation an die U18 und U23 Weltmeisterschaft in Solkan. Zum ersten Mal mussten wir mit sage und schreibe drei Anhängern anreisen, einer davon nur mit Canadier-Zweiern beladen. Die Zeiten, in denen die Schweizer Boote auf einem Autodach Platz hatten, sind definitiv vorbei. 

In Solkan angekommen war für einmal nicht das Wildwasser, sondern die extreme Sommerhitze die grösste Herausforderung. Sonnencreme, Wasserflaschen, Schatten und klimatisierte Hotelzimmer waren in den nächsten Tagen unsere treusten Begleiter. Schon hier zeigte sich, wie professionell unsere Athletinnen und Athleten unterwegs sind. Trotz Temperaturen von über 35 Grad gab es die ganze Woche weder einen Sonnenbrand noch einen Sonnenstich zu beklagen. 

Und die Emotionen? Ja die wurden schon am ersten Wettkampftag in ein Hoch befördert, dass sich als mindestens so stabil wie die hohen Temperaturen erweisen sollte. Gleich drei Medaillen gab es für die Schweizer Delegation, zwei davon aus Nidwalden. Jonah Müller und Cornel Bretscher wurden Vizeweltmeister im C2 über die klassische Distanz, Nora Zeder und Glenys Ettlin gewannen ebenfalls im C2 eine Bronzemedaille. Damit setzen Jonah und Cornel eine Serie fort, die seit 2019 (!) andauert und Nora und Glenys bestätigen ihren Erfolg von der U23 EM im letzten Jahr (Dallenwil 2024, ihr erinnert euch). Kein Wunder, dass sich auch die daheimgebliebenen Fans von "drü schnell vorem Znacht igsackte Medaille" kaum mehr erholen konnten. 

Den Status als C2-Nation zementierte das Schweizer Team dann am zweiten Wettkampftag. Das C2-Team der Herren mit Jonah Müller, Cornel Bretscher und José Voegtlin sowie ihren Kollegen aus Luzern und Solothurn sicherte sich mit einem perfekt eingeteilten Rennen die Bronzemedaille. Es braucht schon perfektes Teamwork, eine starke innere Uhr und viel gegenseitiges Vertrauen, um so eine Leistung auf den Punkt abrufen zu können. An dieser Stelle geht ein grosses Kompliment an Jonah und Cornel, ihr habt eure Team-Leader-Qualitäten eindrücklich unter Beweis gestellt! 

Nun waren die klassischen Rennen abgeschlossen. Darüber war niemand besonders böse, denn die anspruchslose Strecke, die in einem Stausee endete, hat bei dieser Hitze wirklich keinen Spass gemacht. Zum Glück waren die mitgereisten Fans mit vollem Körpereinsatz dabei, sodass ich dank Müller'schem Sonnenschirm - von Eliah schwimmend über den Fluss transportiert - vor Hitzeschäden verschont geblieben bin. 

Weiter ging's wie immer mit dem Sprint. Hier hatten wir uns - mehr Wildwasser sei Dank - noch grössere Chancen ausgerechnet. Und wir wurden nicht enttäuscht. Den Anfang machte Mona Clavadetscher. Hier muss ich ein bisschen ausholen. Mit dem ersten Qualifikationslauf war Mona überhaupt nicht zufrieden. Kein Flow, kein Tempo, kein echter Mona-Sprint - warum? Keine Ahnung. Dann der zweite Qualilauf, da wurde sie Dritte und qualifizierte sich souverän für die besten 15. Und da war sie wieder, die Mona, die im Rennen noch ein kleines bisschen mehr geben kann, einen Gang mehr als die anderen findet und eins wird mit ihrem Boot. Genau diese Mona stand dann auch am Samstag im Finale am Start. Mit einem Superlauf gewann sie die Bronzemedaille - ihre erste Kajak-Medaille auf dieser Stufe und die ersten Tränen bei den Fans, Coaches und Teamkolleg:innen. 

Kaum waren die getrocknet, ging es mit Jonah weiter. Als Qualifikationssieger war der Plan klar, eine Medaille sollte es sein. Auch Jonah zeigte einen starken Lauf, vielleicht mit einem klitzekleinen Schlenker vor dem Ziel, aber trotzdem super stark. Das muss man erstmal können, dem Druck als Letzter am Start standhalten und dann den Vizeweltmeistertitel gewinnen. Nach dem vierten Rang an der WM 2023 eine geniale Leistung und die Tränen flossen wieder. 

Besonders eng zu und her ging es im Final der Kajak-Herren. Alle 15 Finalteilnehmer durften sich Hoffnungen auf eine Medaille machen. Cornel als 13. und Luis als 7. gewannen zwar keine aber ich erinnere daran, dass das erstes Top-Leistungen sind und die Geschichte hier noch lange nicht fertig ist (macht vielleicht mal kurz Pause, holt euch ein kühles Getränk oder ein paar Snacks - es dauert noch!). 

Die dritte Medaille des Tages ging nämlich an Jonah und Cornel. Im Canadier-Zweier hatten die beiden ein grosses Ziel, den vielen seit 2019 gewonnenen Silber- und Bronzemedaillen eine goldene hinzuzufügen. Als Zweite der Qualifikation durften sie als vorletztes Boot starten. Was dann folgte, kann nur als absolutes Tageshighlight gewertet werden. Für alle Abfahrts-Purist:innen ist der Canadier-Zweier ja sowieso die Köngis- bzw. Königinnendiszplin, aber so einen engagierten und perfekt umgesetzten Lauf habt ihr noch selten gesehen. Das Replay im Livestream lohnt sich. Nun ist es aber so, dass für eine gute Dramaturgie auch immer ein bisschen Schmerz mit von der Partie sein muss. In diesem Fall drückte er sich in vier mickrigen Hundertsteln aus, die das tschechische Boot Jonah und Cornel noch abnahm und sie damit auf den altbekannten zweiten Platz verwies. Wieder flossen viele Tränen, ein paar aus Frust über den denkbar knapp verpassten Titel und ganz viele aus Stolz auf die unfassbar gute Leistung unserer zwei Canadier-Spezialisten. 

An dieser Stelle gelangen wir ans Ende der WM-Geschichte. Nur eines sei noch erwähnt. Zum Ende der WM gab es nämlich noch einen historischen Event. Zum allerersten Mal in der Geschichte der Wildwasser-Abfahrt wurde ein Team-Sprint der Canadier-Zweier bei den Damen ausgetragen. Mit von der Partie auch Nora, Glenys, Salome und Saskia. Auch ein Moment, den wir nicht so schnell wieder vergessen. 

Falls ihr jetzt denkt, das war's, dann habt ihr falsch gedacht. Gleich im Anschluss an die Nachwuchs-WM fanden nämlich die ersten drei Weltcuprennen der Saison statt. Dazu reiste ein Teil der Schweizer Delegation weiter nach Banja Luka in Bosnien. Und was dort geschah, hättet ihr euch in euren wildesten Träumen nicht ausmalen können. 

An einigen Stellen in diesem Bericht habe ich die Schweiz bereits eine Canadier-Nation genannt. Wer daran noch Zweifel hatte, kann sich den nächsten Abschnitt ausdrucken, einrahmen und an die Wand hängen: 

In Banja Luka haben drei Weltcuprennen stattgefunden. Ein klassisches Rennen, ein Sprint und ein Massenstartrennen über die klassische Distanz. In allen drei Rennen wurde die Kategorie Canadier-Zweier der Damen ausgetragen. Und alle drei Rennen haben Mona Clavadetscher und Hannah Müller gewonnen! Nochmal Klartext, das sind drei Weltcupsiege in drei Tagen. Drei von drei. Ein Triple. Was soll man da noch sagen? 

Das ist aber noch nicht alles. Die beiden sind daneben in allen drei Rennen auch im Kajak gestartet und immer in die Top 10 gefahren. Und weil Mona die Farbe Bronze  neuerdings sehr gerne mag, hat sie sich im Massenstart im Kajak auch noch die Bronzemedaille erpaddelt. Wie sagt man so schön? "De füdliblutti Wahnsinn!"

Natürlich konnten sich die Männer da nicht lumpen lassen. Gleich im ersten Rennen fuhr Linus Bolzern als Zweiter aufs Podest und lancierte damit den Weltcup aus Schweizer Sicht. Nach seinem vierten Platz an der EM bestimmt eine kleine Genugtuung für den Luzernern und zwischenzeitlichen Wahl-Nidwaldner. Hinter ihm zeigte unser als Super-Sprinter bekannter Luis Clavadetscher eine starke Leistung und wurde 11. 

Der Titel Super-Sprinter kommt übrigens nicht von ungefähr. Oben konntet ihr ja schon lesen, dass Luis an der U23 WM Siebter wurde. Auf dem Papier würde man jetzt davon ausgehen, dass im Weltcup vielleicht noch ein, zwei stärkere Elitepaddler unterwegs sein müssten. Aber falsch gedacht. Luis hat es allen gezeigt. Mit dem Lauf seines Lebens (das definiere ich jetzt einfach, vorher war es der Qualilauf von der U18 WM 2019 in... Banja Luka!, aber das ist jetzt vorbei) hat er den Weltcup-Sprint von Banja Luka GEWONNEN! Und das, obwohl der Sprint nicht auf der schwierigeren Strecke im Canyon ausgetragen wurde, an die Luis beste Erinnerungen - siehe Klammer oben - hat. Ich ha nümm chönne. Lasst euch mal von Luis die Videobotschaft an ihn aus dem Wildwasser-Lager zeigen, dann wisst ihr, was ich meine. 

Nach so vielen wunderbaren Emotionen ist es jetzt Zeit für eine Pause. Auch das beste Trainerinnenherz kann keine unendlichen Belastungen aushalten. Doch ich sage euch, die Saison ist noch nicht vorbei. Ende September steht die Elite-Sprint-EM in Budweis auf dem Programm und dann folgt noch das Weltcup-Finale in Skopje. Bei dem aktuellen Formstand unserer Athletinnen und Athleten würde ich schon mal Lesezeit für den nächsten Bericht in Romanlänge einplanen. 

Danke für euren Support aller Art, dass ihr bis hier durchgehalten habt und ein riesiges MERCI an unsere grandiosen Athletinnen und Athleten. 

Annalena